“Also, wegen mir müssen Sie das nicht machen!” Das bekommen Priesteramtskandidaten nicht selten zu hören, wenn es um den Zölibat geht. Durch die Begleitung von Priestern und aus eigener Erfahrung, kenne ich die Schwierigkeiten und Herausfoderungen eines zölibatären Lebens.

Zölibat, Betroffenheit und Empörung, die zehn Jahre zurück mit diesem Thema häufig verbunden waren — “Das ist unmenschlich!” — , sind einer Gleichgültigkeit gewichen. Ist es Toleranz oder eine weitere Folge der Privatisierung des Glaubens?

Bild: SJ-Bild, Leopold Stübner SJ

Glauben ist Privatsache, da sind wir uns in Deutschland einig. Ein Priester ist ein Dienstleister, den ich aufsuche, wenn ich ihn brauche, darüber hinaus kann er tun, was er meint und leben, wie er will. Es ist seine Privatsache, so wie er meine Privatsphäre zu wahren hat!

“Seid ihr bereit, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben, Männer des Gebetes zu werden und in diesem Geist … euren Dienst zusammen mit dem Volk Gottes und für dieses Volk, ja für die ganze Welt treu zu verrichten?” So fragt der Bischof in der Weiheliturgie die Weihekandidaten.

Ein kirchliches Dokument* formuliert, die Sorge um das geistliche Leben muss “freudige Pflicht” der Priester sein, aber sie ist auch “ein Recht der Gläubigen, die [im Priester] bewußt oder unbewußt den Mann Gottes suchen”.

Was müssen wir tun, damit Priester dieser freudigen Pflicht besser nachgehen können und Gläubige dieses Recht wieder mehr abrufen? Müssen wir hierfür den Zölibat abschaffen? Erschwert oder fördert er den Inhalt des Versprechens? Ist er unmenschlich, ist er zu schwer?

Ernst zu nehmende Fragen! Aber gleichgültig vorgetragene Gewissheitsaussagen, der Zölibat gehöre schon längst abgeschafft, lasse ich innerlich durchrauschen. Es ist der Grundton von Glaubensprivatisierern, der mich langweilt.

Ich will mich nicht zu etwas Kraftlosem befreien lassen und die zunehmende Glaubensprivatisierung erlebe ich als sehr kraftlos! Ich will mich für alle zur Verfügung halten, die einen Geistlichen suchen, im Gebet beheimatet, offen für echte Glaubensgemeinschaft, die über den eigenen Tellerrand hinausschaut, … so wie ich es in der Weihe versprochen habe.

*Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 39

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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