Treue, klingt mausgrau und langweilig, klingt nach viel verpasst, selber schuld! Ich mag treue Menschen und höre ihnen gerne zu. Eine alte Ordensfrau erzählt mir aus ihrem Leben. Ja, sie hat ein graues Kleid an und einen schwarzen Schleier auf dem Kopf, aber was sie erzählt, ist alles andere als langweilig.

SJ-Bild

Sie sitzt krumm auf ihrem Stuhl, ein kaputter Rücken, eine “Berufskrankheit” vieler Krankenschwestern. Sie beschönigt nichts, erzählt mir auch von ihren Enttäuschungen im Kloster. Ich frage mich, was hätte ich in dieser oder jener Situation getan, wäre ich geblieben?

“War’s Ihnen da nicht zum Davonlaufen?” Sie lächelt: “Ach, es gab ja auch Schönes. Davonlaufen?, … nein, weitergehen, man muss weitergehen”. Sie schaut mich kurz prüfend an, rutscht komplizenhaft auf ihrem Stuhl nach vorne und sagt verschmitzt: “Und wenn es ganz schlimm kam, dann dachte ich mir immer: Mach sie fertig mit deiner Liebe!”

Ein paar Sekunden Stille im Raum, dann lachen wir beide laut und ich bedanke mich für den Rat. Treue, das ist nichts Langweiliges, das ist ein Voranschreiten in Liebe und braucht … eine gewisse Kreativität!

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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