“Pater General, wie beten Sie?”

Auf einer großen Ordensversammlung ging ein junger Jesuit ans Mikrophon und fragte Pater Kolvenbach, den damaligen Generaloberen des Jesuitenordens: “Pater General, wie beten Sie?”

Bild: Christus, Ravenna, Sant’Apollinare Nuovo

Es wurde still im Raum, und alle warteten gespannt, was Pater Kolvenbach auf diese einfache, aber eben nicht so einfach zu beantwortende Frage sagen wird. Er überlegte nicht lange, sondern sagte schlicht: “Ich nehme ein Christusbild und schaue es an.”

Nach jedem Umzug — und als Jesuit zieht man nicht selten um — suche ich in meinem neuen Zimmer einen Platz für mein Christusbild. Dies war schon so, bevor ich die Antwort von Pater Kolvenbach kannte. Vorher wäre ich nur nicht auf die Idee gekommen, meinen meist kurzen Blickkontakt mit Christus als Gebet zu bezeichnen.

Jetzt bete ich oft so. Ich setze mich seinem Blick aus, seinem offenen, aufrichtigen Blick. Wenn ich aufgeregt oder verärgert vor das Bild trete und seinen Augen nicht ausweiche, werde ich ruhig und der Ärger setzt sich nicht in mir fest. Wenn ich fragend auf das Bild schaue, schenkt mir sein Blick Sicherheit.

Unterdessen habe ich das Bild auch auf meinem Handy und auf langen Zugfahrten schaue ich nicht nur auf meinen Handybildschirm, um Nachrichten abzurufen, sondern immer wieder rufe ich auch das Bild auf … und bete.

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