Ich hätte sie gern ein für alle Mal. Geht aber nicht! Innere Freiheit ist ein permanentes Übungsfeld. Meistens habe ich meine festen Vorstellungen und Überzeugungen und weiß genau, wie etwas zu sein hat. Ein Mittagessen in einer Jesuiten-”WG” zeigt mir, dass ich nicht alleine an dieser Front kämpfe.

Im Jesuitenorden kommt immer wieder die Frage auf, ob es im Sinne des heiligen Ignatius ist, jährlich eine Woche für geistliche Übungen, für Exerzitien, einzuplanen. Oder ob Ignatius nicht vielmehr davon ausging, dass die “Großen Exerzitien” (30 Tage), die man während der Ausbildung im Orden macht, für immer vorhalten sollten.

Bild: Bernhard Heindl SJ

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich Exerzitien gemacht habe. Die Anzahl ist kein Verdienst. Sie ist über eine Erfahrung begründet: Exerzitien machen mich innerlich frei! Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn innere Blockaden sich lösen, wenn sich Freiraum und Weite auftuen, wo ich eng und festgefahren war.

Bei mir geschieht das, wenn ich zu neuem Gottvertrauen finde oder anders gesagt, wenn das, was die heilige Teresa von Ávila schreibt, in mir auf keinen Widerstand mehr stößt, sondern mich ruhig werden lässt:

Nichts soll dich ängstigen,
nichts dich erschrecken,
alles vergeht,
Gott bleibt derselbe.
Geduld erreicht alles;
wer Gott besitzt,
dem kann nichts fehlen:
Gott nur genügt.

Wie auch immer der heilige Ignatius Exerzitien verstanden wissen wollte, sein Übungsprogramm ist genial! Es führt mich immer wieder zu dem, was die heilige Teresa in aller Kürze auf den Punkt gebracht hat und mich innerlich frei macht: Gottvertrauen. — Deshalb übe ich weiter.

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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