Gründonnerstag, eine Predigt

Kultiviert essen, das geht leider nicht immer, manchmal muss es auch Fastfood sein, ein schnelles Brötchen auf dem Weg, zwischen zwei Terminen. Doch wird’s das zu oft, dann werden wir unzufrieden, weil Essen eben mehr ist als Kalorienzufuhr!

Essen, schon bei der Zubereitung, wir geben uns Mühe, werden kreativ, nehmen uns Zeit dafür, weil wir wissen, Essen vermag mehr als unseren Körper am Leben zu erhalten, es tut auch unserer Seele gut! Eine Einladung zum Essen, das ist Vorfreude, Vorfreude auf ein Zusammensein, auf Gemeinschaft in schöner Atmosphäre mit lieben Menschen und selbst wenn alles vorüber ist, zehrt unsere Seele noch Tage davon!

Bild: chuttersnap, unsplash

Christus — und damit Gott — lädt zum Essen ein, er wünscht sich ein Mahl als Zeichen bleibender Verbundenheit: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Gott lädt zum Essen ein und geht ganz in der Rolle des hingebungsvollen Gastgebers auf, lässt alles Standesbewusstsein hinter sich: er selbst wäscht die Füße seiner Gäste!

Und er wünscht sich das als Etikette für sein Erinnerungsmahl: soziale Barrierefreiheit, kein von oben herab! Gönnerhafte Gastgeberei, Dünkel, welcher Art auch immer, er wünscht sie nicht und fragt ausdrücklich nach: Begreift ihr …? Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt.

Eine Einladung zum Essen, zwischenmenschlich ist Dankbarkeit ein gutes Motiv — man lädt andere ein, um so ein Dankeschön auszudrücken — , aber was wäre das Motiv, dass Gott für uns ein Essen ausrichtet, ausrichten möchte? Mich hat das verblüfft, aber ich denke, Dankbarkeit ist auch für ihn ein Motiv!

Ab und an frage ich bei Bibelstunden nach, die meisten wissen, wie diese Bibelstelle lautet: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen … Ja was? Meistens ist jemand da, der die Antwort weiß: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Aber nur wenige wissen wie diese Stelle weitergeht: Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Ja, was passiert, wenn er kommt? Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

Eucharistie, ein von Gott ausgerichtetes Ehrenamtlichenfest, wo der Herr aus Dankbarkeit, weil die Seinen verstanden haben, um was es ihm geht, was ihm wichtig ist und es mit ihrem Leben ausdrücken, sich bedankt und zum hingebungsvollen Gastgeber, mehr noch, zum Tischdiener wird!

Für mich ein schönes Bild, aber sicherlich, die ganze Tiefe von Eucharistie ist damit noch nicht ausgelotet! Ein weiteres Motiv, warum Gott uns zum Essen einlädt, sehe ich darin, dass der Rahmen, die Atmosphäre einfach stimmt, für das, was er uns je neu ans Herz legen will, vergewissern will, was wir nicht vergessen sollen.

In entspannter Atmosphäre, will er uns je neu sagen, dass er uns mit unseren Problemen, mit den Problemen der Welt nicht alleine lässt: … mein Blut, vergossen, für euch, für alle, zur Vergebung der Sünden, tut dies zu meinem Gedächtnis.

Erlösung, das heißt für mich, wir müssen die Probleme der Welt nicht alleine lösen! Erlösung, das ist Gottes bleibendes Angebot, für uns Probleme zu lösen, wenn wir ihm Vertrauen schenken!

Eucharistie, das ist für mich die Vergebung der Sünde, alles alleine, das Heil der Welt, alleine wirken zu wollen. Eucharistie, das ist für mich das Vertrauen, dass ich, dass die Welt das Heil nicht losgelöst von Gott finden wird.

Wir sind stolz auf Fortschritt und können es auch sein, Menschen leisten, vollbringen Bewundernswertes. Aber dennoch, die Welt liegt im Argen, viele ungerechte Verhältnisse klagen uns an, das Stöhnen unseres Planten ist nicht mehr zu überhören!

Heute, eine Erinnerung, ein Gedächtnis, ein Mahl mit der Zusage, dass wir die Probleme der Welt nicht alleine lösen müssen, müssten! Gott lädt zu Tisch, er zwingt nicht in die Knie, er wird nicht müde über eine Essenseinladung zu sagen: Lasst uns kooperieren, alleine werdet ihr das Heil der Welt nicht schaffen!

Ach ja, ein abschließendes Wort zu Corona: Gott stiftet Gemeinschaft, er will in entspannter Atmosphäre unsere Herzen gewinnen. Jesus sagt: Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Ein Virus, der uns auseinandertreibt, der uns auf Abstand hält, der social distancing nötig macht, das ist nicht die Handschrift Gottes! — Amen.

Jesuit, Priester an der Jesuitenkirche in Innsbruck, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

Jesuit, Priester an der Jesuitenkirche in Innsbruck, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter