Gefühlter O-Ton Jesu: “Ach, halt die Klappe!”

„Ich habe mich vor diesen Tagen fast etwas gefürchtet. Ich weiß gar nicht, welches Fass ich aufmachen soll und ob ich überhaupt eines aufmachen will? Aber ich spüre eine tonnenschwere Last auf meinen Schultern.“ Der junge Mann, der mir gegenübersitzt, will geistliche Übungen, Exerzitien, machen.

Vor einiger Zeit ist er von einer Krankheit aus der Bahn geworfen geworden. Jetzt wieder gesund, spuken noch viele Deuteversuche in seinem Kopf herum. Er wirkt sehr vernünftig auf mich und wenn er mir aus seiner Krankheitsgeschichte erzählt, mit welchen Anfragen er sich auseinandersetzen musste, dann meine ich fast, in die Hiobsgeschichte versetzt zu sein: „Denk doch mal nach, irgendetwas musst Du falsch gemacht haben.“ — „Alles hat Ursache und Wirkung!“ — „Dein Wohlergehen hängt von Dir ab!“

Ich höre lange zu und verstehe die Ratlosigkeit des jungen Mannes. Er schaut mich an und sagt: „Ich fühle mich wie hin und her gezerrt!“ Mir kommt eine biblische Geschichte in den Sinn. Zuerst zögere ich, sie dem jungen Mann anzubieten. Jesus in der Synagoge von Kafarnaum (Markus 1,21–28). Da ist ein Mann, besessen von einem unreinen Geist.

Bild: “shout”, Aidan Jones, flickr

Der schreit auf, gibt vor, Jesus zu kennen, lärmt, macht sich wichtig. Doch Jesus lässt sich auf keine Diskussion ein, er sagt frank und frei: „Ach, halt einfach die Klappe und lass ihn endlich in Ruhe!“ Das ist zumindest mein gefühlter O-Ton für Jesu Befehl: „Schweig und verlass ihn!“ Und der Dämon räumt, den Mann hin und her zerrend, das Feld.

Wenn einen etwas selbstzerstörerisch hin und her zerrt, dann ist kein guter Geist und ganz gewiss nicht der Heilige Geist am Werk! Dann hilft nur Entschiedenheit: „Halt einfach die Klappe! Wer will dich denn hören!“

Der junge Mann schaut mich wie vom Donner gerührt an. Ja, er habe das auch schon in diesen biblischen Bildern von Besessenheit verstehen wollen, was da in ihm tobt. Wir klären kurz, dass es ein Bild ist, er aber Jesus auf seiner Seite wissen dürfe, der auf diese Stimmen genervt und ohne große Diskussion sagt: „Lasst ihn jetzt in Ruhe!“

Der junge Mann kämpft mit den Tränen: „Das ist gut, weil ich es dann nicht mehr alleine machen muss.“ Er wolle gerne einen Tag mit dieser Bibelstelle beten. Ich erkläre ihm noch, dass der Heiligen Geist von Jesus selbst „Beistand“ genannt wird, auf Latein Advokat. Er könne das im Johannes-Evangelium (Joh 16,7), nachlesen und meditieren. „Sie haben jetzt einen Anwalt, den können Sie rufen, der vertritt Sie dann und interveniert bei unzulässigen Fragen: Einspruch, Euer Ehren!“

Am anderen Tag frage ich, wie es ihm mit den Bibelstellen ging. „Ich hab sie nicht wirklich angeschaut. Ich habe mich daran festgehalten, dass Jesus mir zur Ruhe verhelfen will und nur immer wieder seinen Namen, also Jesus Christus, meditiert.“

Bild: SJ-Bild/Leopold Stübner SJ

— „Ach, ist das eine Gebetsweise, mit der Sie vertraut sind?“ — „Nein, ich hab’s immer wieder mal versucht, aber nie hinbekommen. Aber gestern und heute, da ging es einfach und es hat mir Ruhe gebracht.“ — „Dann bleiben Sie dabei. Beten Sie in den kommenden Tagen einfach mit dem Namen Jesu. Und wenn bedrängende oder unfaire Fragen kommen, die Sie aus der Ruhe bringen wollen, dann delegieren Sie. Sie haben ja jetzt einen Anwalt, der sich darum kümmert.“

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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