“Findet ihr beten auch so anstrengend?”

„Beten, ich würde gerne über beten sprechen“, eine kleine Glaubensgruppe auf Themensuche. Die junge Frau, die ihren Wunsch genannt hat, wird genauer: „Findet ihr beten auch so anstrengend? Ich würde gerne beten, aber ich frage mich, warum es so anstrengend ist?“

Bild: SJ-Bild/Christian Ender

Die Anderen fragen nach, wie sie betet und was es so anstrengend macht? „Ich bitte, ich danke, klage, frage, bin auch mal still, aber letztlich läuft es immer auf Nachdenken hinaus und das finde ich so anstrengend“, erklärt die junge Frau.

Ich glaube sie zu verstehen und antworte, dass beten für mich um so anstrengender wird, je mehr ich dabei mit mir selbst beschäftigt bin. „Aber es gibt eine Gebetsweise, die liebe ich! Sie hilft mir, mich zu vergessen. Bei dieser Methode kreise ich nicht dauernd um mich selbst und versuche nicht ständig meine Gedanken zu vergessen. Sie ist wie einen Film anschauen.“

Und ich beginne zu erklären: Ignatius von Loyola lässt bei biblischen Geschichten, die er zum Gebet empfiehlt, immer “den Schauplatz bereiten” und er meint damit, dass ich mir die Geschichte so lebendig als möglich ausmalen soll.

Bild: “Kino Zukunft”, scoobay auf flickr

Eigentlich geht Ignatius noch weiter! Er lockt mich mit einer Tarnkappe auf die Bühne, damit ich unbemerkt alles möglichst direkt miterleben kann.

Es ist wie inneres Kino und ich gehe ganz darin auf. Zuerst schaue ich mir die Szenerie an, ob Landschaft, Haus oder Raum, wo das Ganze spielt.

Dann sehe ich mir Details genauer an, z.B. den Raum, indem gleich der Erzengel Gabriel Maria fragen wird, ob Gott in seinem Heilsplan mit ihr rechnen kann. Ist es ein heller oder dunkler Raum, mit oder ohne Mobiliar und wenn ja, welches?

Ich sehe die beteiligten Personen, z.B. was Maria gerade macht, bevor Gabriel bei ihr eintritt. Ich schaue, wie Maria reagiert und höre, was die beiden miteinander sprechen.

Ich lasse alles auf mich wirken und natürlich frage ich mich am Ende, was mich besonders bewegt und angesprochen hat und sicherlich stelle ich mir auch die Frage, warum es dieses oder jenes Wort, Detail oder Verhalten war?

Aber wie im Kino sind das Fragen, die sich mir erst hinterher stellen. Während der Film läuft, bin ich abgetaucht, ganz im Film.

Bete ich so, dann ist es meist das Piepsen meines Timers, dass das Wort “Ende” auf meinen inneren Bildschirm projiziert und ich muss mir noch ein paar Minuten geben, um mich wieder an das Tageslicht um mich herum zu gewöhnen.

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