“Führe uns nicht in Versuchung”

Welche Versuchung ist in dieser Vaterunserbitte gemeint? Es ist nicht diese oder jene Einzelverfehlung. Gemeint ist der “religiöse Supergau”, der kollektive Glaubensabfall. Das war die größte Versuchung, vor ihr warnten die Apokalyptiker, die zur Zeit Jesu den religiösen Ton vorgaben.

Bild: Selma Broeder, apple, flickr

Glaubensabfall. Glaube ist ein Geschenk. Ein Geschenk muss man nicht annehmen. Man kann es zurückweisen: “Danke, brauch ich nicht!” Doch auch als religiöser Mensch kann ich versucht sein, das Geschenk des Glaubens nicht wertzuschätzen.

Gott ist die Liebe. Das ist der Verkündigungston heute. Das ist gut! Einzig die Versuchung zur Langeweile, der es an Ehrfurcht gegenüber Gott fehlt, darf sich nicht einstellen: „Du kannst ja gar nicht anders, als dich uns zu schenken.”

Das würde Gott “downsizen” und seinen Namen alles andere als heiligen! Das Vaterunser ist ein Gemeinschaftsgebet. Führe uns nicht in Versuchung, meint für mich: Lass uns als Kirche des Glaubens nicht zu sicher sein! Er bleibt ein, … er bleibt dein Geschenk, Gott!

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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