Ich lese einen spirituellen Autor des 16. Jahrhunderts und schmunzle. Er spricht von der Dankbarkeit der Tiere. Die Vögel würden über ihren Gesang ihre Dankbarkeit an den Schöpfer ausdrücken. Er meint, die Obstbäume neigten ihre Äste mit reifen Früchten der Erde entgegen, um in Dankbarkeit dem Gärtner die Ernte zu erleichtern.

Bild: Arend, uit volle rode borst, flickr

Was antworte ich als Mensch des 21. Jahrhunderts Francisco de Osuna (1497–1541)? Die Vögel singen um den Arterhalt zu gewährleisten. Reife Früchte wiegen schwer. Vorsicht, den Zeitpunkt der Ernte nicht verpassen, damit die Äste nicht brechen! Nun schmunzelt Francisco de Osuna, ob ich wirklich glaube, dass er das nicht auch wisse?

Seine Bilder sind schön. Sind wir mit unseren naturwissenschaftlichen Halbwahrheiten wirklich fortschrittlicher? Die Erde stöhnt, ökologische Apokalypsen beunruhigen uns, wir aber halten an unserer Überlegenheit fest.

Was, wenn das Ganze wirklich mehr “durchgeistigt” ist und von tieferen Zusammenhängen getragen wird, als wir glauben können? Warum sind wir so überzeugt von unseren materialistischen Halbwahrheiten? Die Ökobilanz spricht gegen die Methode. Francisco de Osuna und seine Bilder, für mich ist er durch- und weitblickender als naiv!

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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