Zachäus, der oder wer auf dem Baum?

Der Oberzöllner Zachäus, auch ein spannender „Film“, eine spannende biblische Geschichte zum Ausmalen. Sie findet sich beim Evangelisten Lukas. Aber mein Zachäus-Bild deckt sich nicht ganz mit dem der Bibel. Die Ausgangslage ist noch die selbe.

Bild: “Hold on”, Devin Stein, flickr

Zachäus treibt für die Römer, also für die Besatzungsmacht, Steuern ein. Unschwer zu verstehen, dass er bei seinen eigenen Volksgenossen weniger beliebt war. Die Frommen hielten ihn gar für unrein, weil dauernd Geld mit dem Bild und der Aufschrift des römischen Kaisers durch seine Hände floss, ein Götzendiener!

Zachäus dürfte eher verachtet als geachtet gewesen sein, einer, um den man einen Bogen machte. Also, wahrscheinlich hätte er ausreichend Platz gehabt, in der der Menge, die sich schob und drückte, um Jesus zu sehen. Er geht aber auf Nummer sicher und klettert auf einen Baum.

Gut, Lukas sagt, Zachäus sei klein von Gestalt gewesen, sicherlich ein guter Grund, um auf einen Baum zu klettern, wenn man etwas sehen will. Doch es zeigt auch, wie wichtig ihm sein Wunsch ist. Denn weder heute noch damals sitzen Oberzöllner einfach so auf Bäumen herum! Zachäus ist es egal, ob er sich zum Affen macht oder nicht, Hauptsache, er kann einen Blick auf Jesus erhaschen!

In der Bibel geht es dann so weiter: Jesus geht nicht einfach unter Zachäus hinweg, sondern er winkt ihn herab und lädt sich kurzerhand bei Zachäus selbst ein! Eine überraschende Wendung, aber seit ich einmal einen jungen Mann in Exerzitien begleiten durfte, geht für mich die Geschichte noch überraschender aus.

Der junge Mann war sehr wortkarg, die Begleitgespräche verliefen seinerseits, sagen wir einsilbig. Er fühlte sich wie ein Beobachter in seinem eigenen Leben und wollte mehr Leben in sein Leben bringen. Als Betrachtungsstoff für seine Gebetszeiten schlug ich ihm neben anderen Bibelstellen die Geschichte von Zachäus vor. „Was meinen Sie, könnte der Zachäus auch eine Bibelstelle für ihre Betrachtungen sein?“ — „Ja.” (Pause) “Warum nicht?“

Bild: Hans-Georg Geschwandtner

Das Begleitgespräch tags darauf: „Wie geht es Ihnen?“ — „Gut.“ — „Waren die Bibelstellen hilfreich, konnten Sie die Geschichten meditieren?“ — Ja, schon.“ Wir sprachen über seine Meditationen, aber es fiel kein einziges Wort über Zachäus.

Am Ende fragte ich bleiläufig, mehr der Vollständigkeit halber: „Ja, … und der Zachäus, … haben Sie den auch meditiert?“ — „Ja.“ — „Aha, … äh … und?“ — „Ja, ganz gut.“ (Pause) „Aber ich bin nicht hinuntergestiegen.“ — „Ach so, …, ja, dann war die Geschichte dort für sie zu Ende?“ — „Nein.“ — „Nicht? Ja, was ist denn dann passiert?“ — (Pause) „Jesus ist zu mir hochgeklettert.“

Nun war ich kurz sprachlos und begann zu stammeln: „Ach, echt! Und? … Hatten Sie sich was zu sagen?“ — „Ja, wir saßen lange da und haben lange miteinander geredet.“ Er lächelt verschmitzt: „Über mein Leben und so.”

Ich rief einen Künstlerfreund an und sagte: „Frag nicht, Du musst mir eine Skizze machen. Ich habe eine neue Geschichte gehört: Zachäus, der auf dem Baum, du weißt schon. Aber Zachäus klettert nicht vom Baum herunter, sondern Jesus zu ihm hinauf! Und dann sitzen die beiden da und reden über das Leben.“ — „Stark!“

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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