Barmherzige Vater (Lukas 15, Teil II)

Wir wären leichtfüßiger unterwegs, könnten wir das Nachtragen, diesen lästigen Klotz am Bein, abschütteln. Und: Manchmal stehen wir uns die Füße auf einem Standpunkt platt, der niemandem mehr nützt, am wenigsten uns selbst!

Das ist mein Fazit, schaue ich auf den älteren Sohn des “barmherzigen Vaters” (Lk 15,11–32). Bei der Rückkehr seines jüngeren Bruders auf dem Feld gewesen, kann der Ältere sich keinen Reim auf die Feststimmung zu Hause machen.

Bild: “Field worker”, James Buck, flickr

Ich kann seine Verwunderung verstehen. Ich wäre auch verdutzt und in vielen seiner Reaktionen, die noch kommen, finde ich mich wieder. Aber in dem, was er zunächst tut, ist er mir unsympathisch: „Da rief er einen Knecht herbei und fragte, was das bedeuten solle?“ (Lk 15,26)

Ich kann mir nicht helfen, aber hier sehe ich jemand in Herrenpose vor mir stehen, der mit gekrümmten Zeigefinger, im Befehlston fragt: „He, du, komm mal her. Was ist hier los?“

Er erfährt, was los ist und wenn er es dann nicht schafft, hinein zu gehen, bin ich wieder ganz bei ihm. Ja, ich kenne das Gefühl, mich selbst auszuschließen, die wenigen Schritte hin zu den anderen nicht zu schaffen. Es ist eines der schmerzlichsten Gefühle, die ich kenne. Wie wohltuend, wie hilfreich ist es dann, wenn jemand sagt: „Komm doch mit!“

Wahrscheinlich würde ich mich nicht sofort überzeugen lassen, sondern mit dem Fuß aufstampfen und irgendeine Begründung hervorbringen, weshalb ich ganz sicher nicht mitgehen werde! Aber innerlich würde ich hoffen, dass der Andere seine Überzeugungsarbeit nicht einstellt, sondern mir Zeit gibt, mich von meinem Standpunkt innerlich zu lösen.

Genau das spielt sich ja in der Geschichte ab: „Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: …“ (Lk 15,28) Und dann bekommt der Vater zu hören, weshalb sein Ältester genau da, wo er steht, zunächst einmal stehenbleiben muss!

Der Vater bekommst es dick ab und er könnte auch den Ton wechseln: „Sag mal, was ist denn in dich gefahren, wie redest du denn mit mir!“ Nichts dergleichen, er nimmt die Schimpftirade seines Älteren hin und redet ihm erneut gut zu.

Bleibt zu hoffen, dass der Ältere seinem Standpunkt aufgibt und mit dem Vater zu den anderen geht und aus der Endlosschleife, was ich dir schon immer und überhaupt einmal sagen wollte, herauskommt!

Bild: “Raki-party”, Rob de Fries, flickr

Auch für diese Szene habe ich noch eine Alternativ-DVD (siehe Barmherziger Vater I.) in meinem Innersten rumliegen: „Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Als sein Vater davon hörte, hob er gelassen die Schultern und sagte: Der wird schon noch kommen. Der braucht halt noch Zeit. Dann soll er halt eine Runde schmollen. Wir lassen uns das Fest nicht verderben. Musik!“

Wiederum nicht der Rabenvater schlechthin, aber halt ein anderer als der, von dem Jesus erzählt.

Get the Medium app

A button that says 'Download on the App Store', and if clicked it will lead you to the iOS App store
A button that says 'Get it on, Google Play', and if clicked it will lead you to the Google Play store