Es ist ein Satz aus der Museumspädagogik: “Was hören Sie, wenn Sie dieses Bild sehen?” Ich habe diesen Satz für meine “Kleine Gebetsschule” übernommen. Als Vorübung für Bibelbetrachtungen schaue ich mit den Teilnehmern Bilder an, um ihre Sinne zu wecken.

Cézanne, L’Estaque

Bei Cézannes Bild “L’Estaque” rieche ich das Meer und den Duft von Wildkräutern. Ich höre eine Glocke, den Schrei von Möwen und Kinderstimmen beim Spiel, irgendwo im Ort, wo auch ein Hund bellt. Ich laufe über die abgeworfenen, unter meinen Schritten leicht knisternden Nadeln der Pinie im Vordergrund und lehne mich an ihren Stamm. Mein Gesicht in der Sonne, lasse ich die ganze Szenerie wie einen Urlaubsmoment auf mich wirken.

Die Sinne über zwei, drei Bilder wach gerufen, schlagen wir die Bibel auf: Wie sieht Jericho eigentlich an der Stelle aus, wo Zachäus auf den Baum klettert? Wie stellt er sich beim Klettern an, behäbig oder flink und leichtfüssig? Wie fühlt sich Zachäus da oben, sicher oder ist es schwindelerregend? Was hört er: Stimmen, Geräusche, Wind in den Blättern? Lacht da jemand über ihn? Wie schaut er drein, wenn Jesus ihn ruft, erschrickt er, wird er rot? Aber der Baum ist ja längst nicht alles: Wie sieht das Haus aus, in dem die Geschichte ihr Happy End nimmt? …

Meist braucht es einen Moment, bis wir wieder “auftauchen” aus Jericho. Es ist wie bei einem packenden Film, da sitzt man hinterher auch noch leicht verzaubert in seinem Kinosessel.

Zur Gebetsmethode siehe auch: “Findet ihr beten auch so anstrengend?”

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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