Berufung: Keine Nadel im …

Ich höre zu, was mir mein Gegenüber erzählt und denke: Das kenne ich doch! So habe ich das damals auch erlebt! Da sucht jemand nach seiner Berufung und es klingt sehr nach der Nadel im Heuhaufen. Anstrengend!

Bild: “Dogsurvival Ranst 2013”, Nico Buys, flickr

Damals dachte ich, das sei nur mein Problem, ich stelle mich einfach doof an! Nun sitze ich immer wieder Menschen gegenüber, die nach ihrer Berufung suchen und auch an sich zu zweifeln beginnen.

Berufung, es gibt Modell 1: Lieber Gott, alles klar, danke, keine weiteren Fragen! Häufiger ist Modell 2: Könnte sein, muss aber nicht! — Dann geht’s innerlich los: Geh keinem Trugschluss, keiner Selbsttäuschung auf den Leim! Nichts Schlimmeres, als sich selbst berufen! Such genauer, wer sucht, der findet, streng dich an!

Die Nadel im Heuhaufen. Heute frage ich mich, wie ich auf dieses Berufungsverständnis kam? Was, um Himmels Willen, hat mich glauben lassen, dass Gott ein Sadist ist, der sich die Hände reibt, ob und wann ich die Nadel finde, die er irgendwann mal in mein Leben hat fallen lassen?

Wenn mir heute jemand gegenüber sitzt, für den Berufung zu einer sehr anstrengenden Sache geworden ist, dann sag ich: „Das kann so nicht gemeint sein! Da verpufft zu viel Energie an der falschen Stelle!“ Meistens leuchtet das meinem Gegenüber nach all der Anstrengung spontan ein.

Ich bin fest überzeugt: Gott hat Pläne mit uns und er versucht, uns für diese Pläne zu gewinnen, er klopft an, lädt ein, wirbt … Er kann auch mal stupsen, manche brauchen das.

Bild: “82/365, i want you!”, Benedetta Anghileri, flickr

Aber er ist nicht eingeschnappt, wenn wir’s nicht kapieren. Er tickt nicht nach dem Motto: „Das wäre Ihr Preis gewesen!“ Das passt nicht zu Gott, das ist Fernsehshow! Dann macht er einen neuen Vorschlag, klopft wieder an, lädt ein, wirbt, stupst.

Die ein für allemal verspielte Chance, kennt er nicht, braucht er nicht. Wenn es um Lebensmöglichkeiten geht, gehen ihm doch die Optionen nicht aus!

Was Gott sicher nicht will, ist, dass Lebensenergie sinnlos verpufft. Der hl. Paulus, wohl eher ein Berufener nach Modell 1, versteht sich als „Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3,9). Wortspielerisch wiedergegeben, was da im griechischen Original steht, könnte man auch sagen, Paulus versteht sich als „Synergetiker Gottes“.

Berufung und Synergie, das gefällt mir! Es geht um Synergieeffekte zwischen mir und Gott. Berufung darf kein zu anstrengender Energiefresser sein, denn sie ist ja kein Selbstzweck! Herauskommen soll Lebensenergie für Gott, die Anderen und nicht zuletzt auch für mich!

Was wäre das für ein Gott, der „Synergetiker“ will und Ausgebrannte zurücklässt?

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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