Bei Zweifeln das Verfallsdatum beachten!

Ein Glaube, der über jeden Zweifel erhaben ist?! Ich kennen keinen solchen Glauben, Zweifel gehören dazu. Im Selbstexperiment ist mir aber eine Unterscheidung wichtig geworden: Neben einem fruchtbaren Zweifel, der reinigend wirkt und mich weiterführt, gibt es auch einen fruchtlosen:

„Meint Gott es wirklich gut mit mir? Kann ich mich darauf verlassen? Was mache ich, wenn …?“ Und dann bestürmen mich innerlich alle möglichen Schicksalsschläge und ich denke mir Worst-Case-Szenarien aus: “Ja, und was mache ich dann, fällt mein Glaube zusammen wie ein Kartenhaus?! Also, mal lieber den Ball flach halten und keine großen Töne spucken!”

Bild: “Searching … Question Mark?”, Leo Leung, flickr

Aber ist es Gott gegenüber fair, das Leben immer über die befürchtete Intensivstation einzufädeln, auch wenn ich sie noch nie erleben musste? Es gibt einen Zweifel, der mich nur in Schach und klein hält, der mich verstummen lässt und nichts zu meinem Wachstum beiträgt.

Ich merke es nicht immer sofort, aber sobald ich es spüre, dass mich diese Art von Zweifel beschleicht, verstumme ich nicht mehr kleinlaut, sondern frage zurück: „Und wo kommst du schon wieder her? Habe ich wirklich Grund, dir große Beachtung zu schenken? Wie lange begleitest du mich jetzt schon, wenn ich es nüchtern betrachte, grundlos!?“

Manche Zweifel haben etwas Abgestandenes und wenn sie mich plagen, dann gehe ich in die Offensive und verjage sie mit meiner im Selbstexperiment gefundenen Kurzformel: „Dem Glauben mehr Glauben schenken … und den Zweifel bezweifeln.”

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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