“Ick les doch nich ‘n Buch und such, wo ick mir uffrejen kann. Ick such ne Anrejung, nich ne Uffrejung!” Damit hatte ein Berliner Jesuit unsere kleine Debatte beendet und mich mit offenem Mund zurückgelassen. Wir hatten beide das selbe Buch gelesen, ich hatte nur Haare in der Suppe gefunden, er Markklößchen.

Bild: David Whelan, Nosedive, flicker

Ich sitze am PC, lese, denke, ziehe die Mundwinkel nach unten … und dann erinnere ich an meinen Berliner Mitbruder: Stopp, lies nochmal! Findest du eine Anregung? Widerstehe dem abschätzigen Denken! Suche die Anregung!

Im Mittelalter, wenn zwei sich unterhielten, gehörte es zum guten Ton erst das Argument des Anderen würdigend zusammenzufassen, bevor man das eigene vortrug. Das ist nicht leicht durchzuhalten. Aber was suche ich, Anregung oder Aufregung? Für Ersteres hilft Würdigung, für Letzteres der Sturzflug auf die eigenen Argumente.

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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