Ich ziehe mich zum Gebet zurück und bin ganz bei mir. Und genau das ist das Problem: Ich bin bei mir und nicht bei Gott! Kaum sitze ich auf meinem Gebetshocker, kommen mir alle möglichen Fragen, Klagen, Sorgen und Probleme in den Sinn! Ich will frei werden für Gott und komme doch nicht von mir los!

Ich kreise um mich: Lieber Gott, mach bitte, dass …! Hilf doch, dass …! Oder das Kinderwort in Dauerschleife: Warum, … warum, … warum? Letztlich kann Gott gar nicht so viele Antworten ausspucken, wie ich ‘Warums’ auf Lager habe!

Manchmal habe ich das richtig satt! Immer will ich irgendwas von Gott und wenn es nur meine Ruhe ist! Ja, ich erwarte von Gebetszeiten auch, dass ich ruhig und ausgeglichen aus ihnen hervorgehe. Wieder ich!

Meine Kurzformel für Anbetung lautet: Weil Du Du bist, Gott! Weil Du Du bist, deshalb sitze ich hier auf meinem Gebetshocker, das genügt! Basta! Maschinen stopp! Klappe halten!

Um innerlich von mir los zu kommen, muss ich leicht tricksen: Ich fange bewusst bei mir an und danke Gott für etwas, wofür ich wirklich dankbar bin, weil ich so zur Ruhe komme. Dann löse ich meine Leinen und lasse mich auf’s offene Meer treiben, in das Geheimnis Gottes hinein.

Bild: Nicola Young, DSC02076, flickr

Allzu oft bin ich nicht auf hoher See! Es gelingt mir selten alle Leinen zu kappen und ganz von mir loszukommen. In der Autobiographie des Heiligen Ignatius steht ein Satz, den ich vor Staunen zweimal lesen musste und der mich nicht mehr loslässt:

“So wachse er [Ignatius] … in der Andacht, das heißt, in der Leichtigkeit, Gott zu finden … und jedesmal und zu jeder Stunde, dass er Gott finden wolle, finde er ihn.” (Bericht des Pilgers, Nr. 99)

Jesuit, Priester, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter

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