Bernhard Heindl

Über’s Wasser gehen, das weiß jedes Kind, das geht nicht! Ich frage nach dem Symbolgehalt der biblischen Geschichte für mein Leben, in der erst Jesus und dann Petrus über das Wasser gehen? (vgl. Mt 14,22–33) Die Dichterin Hilde Domin hilft mir mit einem Wort weiter: “Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug.”

Bild: Matt Hardy, unsplash

Trefflicher kann ich einen Erfahrungswert, der mir als Priester anvertraut wird, nicht ausdrücken. Menschen in Not und Ausweglosigkeit sagen mir immer wieder: “Aber ich spüre, Gott ist da! Das gibt mir Halt.”

Ich staune still. Wer bin ich, das anzufragen, zu bezweifeln? Es stärkt meine Hoffnung, dass auch ich, wo ich den Boden unter den Füßen verliere, Glauben als tragfähig erleben darf.

Die Erde stöhnt unter unserer Last. Stichwort Klima: Wir müssen unsere Lebensweise ändern, die Freisetzung von Treibhausgasen reduzieren, sonst kollabiert der Planet. Es fehlt nicht an Erkenntnissen, es fehlt an Kraft, an Mut sie umzusetzen.

Bild: Bernhard Heindl SJ

Ich frage mich: Glaubst du wirklich an Auferstehung? Glaube ich, dass Gott eine Welt für mich bereit hält, die ich ersehne, die mich erfüllt, die keine Fragen mehr aufwirft, sondern mir Frieden und Geborgenheit schenkt?

Glaube ich das? Wenn ja, warum werde ich dann hier die Angst nicht los, zu kurz zu kommen? Warum holt diese Angst, die uns auseinander treibt und unsolidarisch macht, auch mich so leicht ein? Warum will auch ich hier und jetzt rausholen, was rauszuholen ist, selbst auf Kosten folgender Generationen?

Mutig an einen offenen Himmel glauben, hat die Kraft das System: “Nach mir die Sintflut!” zu verändern. Mutig gemeinsam an einen offenen Himmel glauben, kann systemrelevant sein.

Meine online-Bibel listet mir 74 Treffer auf, wenn ich den Satz eingebe: Fürchte dich nicht! Ich fürchte mich vor vielem. Da ist immer eine Ungewissheit, eine Sorge, eine Angst in mir, die mich unfrei macht, die mich beschäftigt.

Bild: Iva Rajovic, Detail, unsplash

Wenn ich still werde und bete, wenn ich in mich gehe, dann ist meine Sehnsucht, dass dieser Satz auch für mich zutrifft, dass er Erfahrung, Wirklichkeit wird. Gott, ein angstfreier Raum in mir. Ein Raum, der mir offen steht, wo ich erwartet werde, wo Ängste schwinden.

Warum gehe ich nicht öfter einfach dorthin? Zugegeben, es braucht etwas Zeit, ich muss erst ruhig werden auf meinem Gebetsschemel. Aber es ist wenig Zeit, verglichen mit der, wo ich mit meinen Sorgen und Ängsten alleine bleibe, ohne dass sie schwinden.

Weihnachtsvorbereitungen, wir wollen anderen etwas Gutes tun, ihnen eine Freude machen. Gut sein, schenkt unserer Seele Frieden. Gut sein, erinnert uns an unseren Ursprung, an Gott.

Bild: unsplash, Chris Sowder

Im Innersten sind wir gut, es ist unser Wesen. Bosheit ist eine Wesensverfremdung. Wo wir auf Bosheit treffen, erschrecken wir und spüren, hier stimmt etwas nicht! So kann Menschsein nicht gedacht sein!

Authentizität, Echtheit ist uns ein großes Anliegen, ein hoher Wert. Weihnachten lässt uns spüren, wenn wir gut sind, sind wir authentisch, entsprechen wir unserem Wesen.

Weihnachten, die Sehnsucht nach unserem Ursprung. Weihnachten, Stallgeruch “Güte”, unsere Seele kennt den Weg, an Weihnachten führt sie uns heim.

Bernhard Heindl

Bernhard Heindl

Jesuit, Priester an der Jesuitenkirche in Innsbruck, Geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter